Gewalt und Festnahmen bei Iberia-Streik

Dienstag, 19. Februar 2013, 07:58 Uhr
 

Madrid (Reuters) - Der Streik der spanischen Fluggesellschaft Iberia ist am ersten Tag in Gewalt umgeschlagen.

In Madrid setzten Polizisten am Montag Schlagstöcke gegen Streikende ein, die in das Gebäude des größten Flughafen des Landes gelangen wollten. Einige wurden mit Gewalt aus dem Terminal geschmissen. Mindestens fünf Streikende wurden verhaftet. Die Mitarbeiter der angeschlagenen Airline wehren sich mit einem fünftägigen Ausstand gegen Lohnkürzungen und den Abbau Tausender Stellen. Von den bis Freitag geplanten Arbeitsniederlegungen sind nach Angaben der Airline 70.000 Passagiere betroffen. Iberia sagte bereits 415 Flüge ab. Insgesamt sollen rund 1200 Flüge ausfallen, da an den spanischen Flughäfen wegen des Streiks nicht genügend Servicepersonal zur Verfügung steht. Am Montag wurden mehr als 80 Flüge gestrichen. Zudem kam es beim Betrieb des Airports zu Einschränkungen, da die Gepäckabfertiger von Iberia auch für andere Fluggesellschaften arbeiten.

Hunderte Iberia-Mitarbeiter strömten am Morgen Triller pfeifend und Parolen skandierend in den Terminal 4 des Madrider Flughafens Barajas. Etwa 2000 demonstrierten vo den Toren des Airports. Sie schwenkten spanische Fahnen und Banner mit der Aufschrift "Briten geht heim". Die seit langem in der Krise steckende und rote Zahlen schreibende Iberia fusionierte 2011 mit der profitablen British Airways zur International Airlines Group. Viele machten britische Manager für den Sparkurs der Airline verantwortlich. Es sollen 3800 Arbeitsplätze gestrichen werden. Nach diesem ersten fünftägigen Streik sind im März zwei weitere Streikwochen geplant. Dem krisengeschüttelten Land drohen dadurch schmerzhafte Einbußen im Tourismus. "Jeder hat seine Probleme. Aber sie sollten nicht diejenigen belästigen, die Geld ins Land bringen. Das ist auch Geschäft", sagte ein französischer Tourist.

TOURISMUS GEFÄHRDET

Verkehrsministerin Ana Pastor hat bereits vor einem großen Schaden für die Wirtschaft des Landes gewarnt, das von einer tiefen Rezession und rekordhoher Arbeitslosigkeit geplagt ist. Sie forderte das Management und die Gewerkschaften deshalb zur Einigung auf. "Wir können es nicht zulassen, dass Spanien mehr als zehn Millionen Euro am Tag verliert, denn diese Art von Schlag trifft uns alle", sagte Pastor. Der Tourismus macht rund elf Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung aus und ist einer der wenigen Bereiche, die noch wachsen. Diese Streikwoche fällt auf Schulferien in Großbritannien und Frankreich, von wo die meisten Touristen nach Spanien kommen.

Während fast die Hälfte der Inlandsflüge in den fünf Tagen ausfallen würden, seien Langstreckenflüge kaum betroffen, erklärte Iberia. Für rund 60.000 Passagiere seien Alternativ-Flüge gefunden worden, zum Teil auch bei Konkurrenz-Airlines.

Experten rechnen damit, dass die 15 Streiktage Iberia bis zu 100 Millionen Euro kosten können. Iberia machte in den ersten neun Monaten 2012 einen Verlust von 262 Millionen Euro.

 
A demonstrator sits on the floor next to Spanish riot police officers at Madrid's Barajas airport February 18, 2013. Striking union workers clashed with police at the airport on Monday on the first day of a week-long strike over more than 3,800 pending job cuts at Spain's flagship airline Iberia. REUTERS/Susana Vera (SPAIN - Tags: CIVIL UNREST TRANSPORT BUSINESS EMPLOYMENT)