Europas Automarkt sackt auf historisches Tief ab

Dienstag, 19. Februar 2013, 12:39 Uhr
 

München (Reuters) - Auf dem europäischen Automarkt jagt ein Negativrekord den anderen:

Nach dem besonders schlechten Jahr 2012 ist der Pkw-Absatz in der EU im Januar auf ein historisches Tief gesunken, wie der Herstellerverband ACEA am Dienstag mitteilte. Die Neuzulassungen schrumpften um 8,7 Prozent auf 885.159 Fahrzeuge - das war der schwächste Januar seit Beginn der ACEA-Aufzeichnungen 1990. Von den großen Märkten legte nur Großbritannien zu. Der größte Einzelmarkt Deutschland schrumpfte ebenso wie die von der Schuldenkrise gebeutelten Länder Südeuropas. Massenhersteller wie PSA Peugeot Citroen, Ford oder Fiat verbuchten kräftige Einbußen, und selbst bei Branchenprimus VW gingen die Verkaufszahlen zurück. Dagegen konnte Opel mehr Käufer locken. Zulegen konnten auch die Oberklasse-Hersteller BMW und Daimler.

Die Pkw-Märkte in Europa befinden sich seit langem im freien Fall. 2012 war mit zwölf Millionen verkauften Fahrzeugen das schlechteste Autojahr seit 1995. Vor allem im schuldenbeladenen Süden des Kontinents trauen sich die Menschen wegen hoher Arbeitslosigkeit und düsterer Perspektiven nicht, sich ein neues Auto anzuschaffen. In Italien brach der Markt im Januar um 17,6 Prozent, in Spanien um 9,6 Prozent, in Frankreich um 15,1 Prozent ein.

Darunter leidet besonders PSA Peugeot Citroen, nach Volkswagen der zweitgrößte europäische Autobauer, denn die Franzosen machen mehr als die Hälfte ihres Geschäfts in Südeuropa. Fünf Milliarden Miese standen im vergangenen Jahr zu Buche. Im Januar brach der Absatz der Marke Peugeot um 16,6 Prozent ein, bei der Marke Citroen waren es 15,9 Prozent. Auch andere auf Europa konzentrierte Hersteller, die Autos im unteren und mittleren Preissegment anbieten, verbuchten im Januar erneut Rückgänge: Bei Renault belief sich das Minus laut ACEA auf zehn Prozent, bei Fiat konzernweit auf 12,3 Prozent. Selbst die Verkaufszahlen der erfolgsverwöhnten Marke VW sackten um 12,1 Prozent ab.

Anders als viele Konkurrenten können die Wolfsburger dank prall gefüllter Kassen die Rabattschlachten, die auf dem schrumpfenden europäischen Markt toben, leichter verkraften und zudem Rückgänge auf dem Heimatkontinent anderswo ausgleichen. In den weltgrößten Automärkten China und USA steigen die Verkaufszahlen weiter, und viele Käufer leisten sich gerne teure deutsche Oberklasse-Fahrzeuge. BMW konnte indes im Januar auch in Europa punkten; von der weißblauen Kernmarke wurden 9,8 Prozent mehr verkauft. Daimler fuhr mit der Marke Mercedes ein Plus von 4,7 Prozent ein. Beim Rivalen Audi sanken die Neuzulassungen in der EU um 1,9 Prozent. Zuwächse in Europa verbuchten zuletzt Billigmarken wie Dacia oder Kia. Der leidgeprüfte Hersteller Opel und seine britische Schwestermarke Vauxhall steigerten den Absatz um 4,5 Prozent.