Frau von Pakistans Taliban-Chef bei Angriff getötet

Mittwoch, 5. August 2009, 18:20 Uhr
 

Peschawar/Kandahar (Reuters) - Die Frau des pakistanischen Taliban-Chefs Baitullah Mehsud ist bei einem vermuteten US-Raketenangriff ums Leben gekommen.

Wie Verwandte am Mittwoch berichteten, wurde die Frau beim Einschlag zweier Raketen im Haus ihres Vaters getötet. Auch mindestens zwei Taliban-Kämpfer hätten am Dienstagabend bei dem Angriff auf das nahezu unzugängliche Dorf ihr Leben verloren. Vier Kinder seien verletzt worden. Die Raketen wurden vermutlich von einem unbemannten US-Flugzeug abgefeuert.

Nach Angaben eines Angehörigen befand sich der seit November mit der Frau verheiratete Mehsud zum Zeitpunkt des Angriff nicht im Haus seines Schwiegervaters. "Baitullah ist in Sicherheit und am Leben", sagte ein Cousin der Frau der Nachrichtenagentur Reuters. Auf den Kopf Mehsuds haben die USA eine Belohnung von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Er gilt in Pakistan als "Staatsfeind Nr. 1".

Die USA haben in den vergangenen Monaten in der Bergregion Süd-Waziristan ihre Raketenangriffe auf vermutete Stellungen und Unterschlupfe der Taliban verstärkt. Die pakistanische Armee steuerte Luft- und Artillerieangriffe bei. Die amerikanischen Angriffe sind ein Streitthema zwischen den USA sowie Afghanistan und Pakistan. Grund ist der Tod von Zivilisten, in deren Nähe die Taliban Schutz suchen sollen.

Am Dienstag kamen in der südafghanischen Provinz Kandahar bei einem Luftangriff nach Aussage von Bewohnern ein Mann und drei Jungen ums Leben. Die Nato wies Vorwürfe von Dorfbewohnern zurück, dass es sich dabei um Zivilisten gehandelt habe. "Wir prüfen diese Berichte, aber nach meiner Kenntnis handelt es sich um vier Aufständische auf offenem Feld", sagte eine Nato-Sprecherin. Dorfbewohner hatten die Leichen nach Kandahar gebracht. Nach ihren Angaben wurden die vier bei dem Luftangriff im Schlaf getötet. Die Nato-Sprecherin sagte dagegen, dass Nato-Hubschrauber die Afghanen auf offenem Feld weit von Ortschaften entfernt angegriffen hätten. Sie seien bewaffnet gewesen.

Ein Reuters-Korrespondent, der die Leichen sah, sagte, dass es sich bei zweien wohl um Kinder oder Teenager handle. Jungen in diesem Alter begleiten in Afghanistan manchmal Kämpfer. Die beiden anderen Leichen seien bis zur Unkenntlichkeit entstellt, sagte er weiter.

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden von Januar bis Juni 1013 Zivilisten in Afghanistan getötet nach 818 im Vorjahreszeitraum. Aufständische seien für 59 Prozent der Todesfälle verantwortlich, erklärten die UN. Am Mittwochmorgen kamen bei einem Bombenanschlag im Osten des Landes nach Angaben des Innenministeriums fünf Zivilisten ums Leben.