Papst begnadigt Ex-Kammerdiener kurz vor Weihnachten

Samstag, 22. Dezember 2012, 16:48 Uhr
 

Rom (Reuters) - Kurz vor dem Weihnachtsfest hat Papst Benedikt seinen wegen des Diebstahls vertraulicher Dokumente verurteilten Ex-Kammerdiener begnadigt.

´ Das Oberhaupt der katholischen Kirche besuchte seinen Ex-Diener Paolo Gabriele am Morgen im Gefängnis, um ihm selbst die frohe Botschaft zu überbringen, wie Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Samstag mitteilte. Es sei eine persönliche Geste des Papstes für einen Menschen gewesen, mit dem er jahrzehntelang familiär zusammengelebt habe. Der Papst verbrachte eine Viertelstunde mit dem 46-Jährigen, bevor der mehrfache Vater freigelassen wurde und sofort zu seiner Familie in die gemeinsame Wohnung im Vatikan zurückkehrte. Der Fall sorgte in Anlehnung an das Internet-Enthüllungsportal WikiLeaks als "Vatileaks"-Affäre weltweit für Schlagzeilen.

Lombardi teilte mit, dass der frühere Kammerdiener nicht mehr innerhalb des Vatikans arbeiten und deswegen auch nicht mehr dort wohnen werde. Die Kirche unterstütze ihn dabei, sich ein neues Leben aufzubauen. Papst Benedikt XVI. begnadigte auch einen zweiten Vatikan-Angestellten, der Gabriele geholfen hatte.

VATILEAKS MACHT WELTWEIT SCHLAGZEILEN

Gabriele hatte Vatikan-Dokumente kopiert und an einen Journalisten weitergegeben. Er war im Mai festgenommen und Anfang Oktober vom Vatikan-Gericht wegen schweren Diebstahls zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Die von ihm weitergegebenen Dokumente wurden von italienischen Medien veröffentlicht und deuteten auf einen Machtkampf im Vatikan auf höchster Ebene hin. Die Affäre schadete dem Ruf der katholischen Kirche in einer ohnehin kritischen Zeit, als Missbrauchsfälle durch Kirchenanhänger und Probleme der vatikaneigenen Bank für Negativmeldungen sorgten.

Der Kammerdiener stand dem Papst besonders nahe. Er brachte ihm das Essen und half ihm beim Anziehen. Als einer von weniger als zehn Menschen besaß er den Schlüssel zum Aufzug, der direkt zu den Räumen des Kirchenoberhaupts führt.

Gabriele begründete seine Taten mit seiner Liebe zur Kirche. Er habe beobachten können, wie einfach ein mächtiger Mann von Helfern manipuliert werde könne und wie man ihn über wichtige Ereignisse im Dunkeln gelassen habe. Die mehr als 1000 Kopien und entwendeten Originalschriften versteckte der Kammerdiener in einem großen Schrank in seiner Wohnung.

- von Philip Pullella